Mannomann, der Männermist geht gerade auf keine Walhaut. Denken auf zwölf Zylindern reicht nicht mal für die Schaumkrone der Schöpfung. Und Dein Penis ist keine moralische Kompassnadel. Die unappetitliche Lage der Ästhetik.
Irgendwann merkte ich, dass ich mich verrannt hatte. Vor zwei Wochen wollte ich über Männlichkeit schreiben. Es ist dieser Tage ein ergiebiges Thema, und das ist genau das Problem: Kaum glaube ich, einen Roten Faden zu halten, reißt ihn jemand aus meiner Hand. Mal kompensiert Ulf Poschardt die Ödnis seines Ferrari-Lebens, indem er die Rückkehr des Biedermeier herbeinölt. Dann verplappert sich Denis Scheck und versenkt den Schein seines Anstands im Restmüll der Metaphern. Und zwischendurch verlötet Dieter Nuhr die Worte Ulmen und Migration zu einem Witzklumpen, der immerhin die hysterische Dimension seiner Frauen- und Fremdenangst illustriert. Nein, Männer.
Auch die Recherche in den Streamingdiensten half mir nicht weiter. Der Dokumentarfilm Holt – Der Windkraft-Schwindler (hier in der ARD Mediathek) reibt mir 90 Minuten lang unter die Nase, dass männliche Selbstherrlichkeit zwar in den Knast, aber zuvor zu absurdem Reichtum führen kann. Nur ein romantisches Detail sei verraten: Während der Haft veranstaltet der Verbrecher (nicht: Schwindler) ein Ehefrauen-Casting mit seinen zahlreichen Frauenbekanntschaften; die Gewinnerin vergöttert ihn. Nein, Frauen, ihr müsst auch ein bisschen mithelfen.
Aus der Doku Inside the Manosphere (hier bei Netflix) lässt sich ebenfalls kein Trost schöpfen. Die Influencer der Frauenhasserbewegung rekrutieren täglich jungen Nachwuchs. Weltweit. Da glänzen geölte Bizepse am Pool, blonde Requisiten räkeln sich im Testosterondunst. Ungezügelt entpuppt sich Social Media schnell als Teufelszeug.
Es tat gut, mal einen guten Mann näher kennenzulernen. Einen, der findet, es sei Zeit, dass sich was dreht. Er ist schon 70 Jahre alt, aber warum sollte er kein Influencer für die Jugend sein? Er liebt Menschen, Ehrlichkeit, ist nachdenklich und schreibt wunderschöne Musik. Das wäre mal ein toller Bundespräsident. Grönemeyer – Alles bleibt anders (hier in der ARD Mediathek).
Zum Schluss noch eine Männergeschichte: Tim Mälzers Kitchen Impossible ist endlich in eine neue Staffel gestartet (hier bei RTL+). Dort kochen aber auch Frauen, zum Beispiel war Clara Hunger mal dabei – und siegte. Danach wurde viel über sie geschrieben, aber nicht über ihr Talent, sondern über ihre Kleidung. An den Herden der Spitzengastronomie haben Frauen keinen leichten Stand. Deshalb gibt es das Online-Magazin Chef:in , mit dem die Gründerin Denise Snieguole Wachter speziell Köchinnen ins Licht stellen will.
Ich wünsche allen eine genussvolle Spargelzeit.
Thomas Vöcks
























